Tagung des Arbeitskreises „Kreative Therapien in der Neurorehabilitation“

Der Arbeitskreis der kreativen Therapien in der Neurorehabilitation traf sich am 28. Oktober 2016 zur 16. Tagung in der RehaClinic Bad Zurzach. Gastgeber war das Team der Kreativtherapien Doris Mäder, Musik- und Maltherapeutin, Eliza Winter, Mal- und Kunsttherapeutin und Monic Mathys, Musiktherapeutin. Unterstützt wurde das Team von der leitenden Neuropsychologin Monika Zemp.

Auf dem Programm standen Referate zu den folgenden Themen:

„Musikreisen – Eine Einführung in GIM und Musikimagination“ von Doris Mäder

„Vorstellen des Zurzacher Kopfweh-Programmes“ von Monika Zemp

„Blumenzauber – Blumenbilder als Türöffner in die Maltherapie“ von Eliza Winter

„Vorstellen Gartentherapie“ von Petra Gysel

GIM und Musik-Imagination

Doris Mäder - zertifizierte GIM-Therapeutin - stellte uns die Methode Guided Imagery and Music nach Helen Bonny vor.

GIM ist ein tiefenpsychologisch orientiertes, psychodynamisches und transformatives Verfahren rezeptiver Musiktherapie. Klient und Klientin hören in einem körperlich entspannten Zustand innerer Achtsamkeit eine Auswahl meist klassischer Musik und teilt ihre Wahrnehmungen dem Therapeuten während des Hörens mit. Die Erlebnisse können innere Bilder, Gefühle, Körperempfindungen, Sinneseindrücke, Gedanken und Erinnerungen beinhalten. Es können aber auch transpersonale und spirituelle Elemente auftauchen. Die Musik spielt dabei eine entscheidende Rolle, indem sie Imaginationen hervorruft, weiterentwickelt, stützt und trägt. Der Therapeut/die Therapeutin begleitet und unterstützt die Wahrnehmungen der „Reisenden“ durch kurze verbale Äusserungen auf nicht-suggestive Weise. Bevor die Erfahrungen, die während der Musik-Reise gemacht werden, im Nachgespräch aufgearbeitet werden, verhilft das Malen eines Bildes, das Erlebte zum Ausdruck zu bringen und zu vertiefen. Eine GIM-Sitzung dauert in der Regel 90 Minuten.

GIM eignet sich für das Verarbeiten von Ängsten und Konflikten, für ein bewussteres Erleben ungenutzter Potentiale und zum Anregen des persönlichen Wachstums.

Im Gegensatz zu GIM werden bei der Musik-Imagination Empfindungen und innere Bilder erst nach dem Musikhören der Therapeutin mitgeteilt und aufgearbeitet. Im klinischen Alltag ist es eher selten, dass man die Zeit hat, eine ganze GIM-Reise zu machen. Musik-Imagination und modifiziertes GIM hingegen findet durchaus Anwendung. Mutet GIM wie ein Tiefsee-Tauchgang an, ist Musik-Imagination eher wie das Schnorcheln in seichtem Gewässer.

Bevor Doris Mäder die klinische Anwendung von Musik-Imagination im Rahmen des Zurzacher Kopfweh-Programmes vorstellte, erläuterte Monika Zemp das Programm ZKP (Zurzacher Kopfweh-Programm).

Das Zurzacher Kopfschmerz-Programm ist ein evidenzbasiertes spezialisiertes Rehabilitationsprogramm, das sich für Menschen eignet, die an Medikamenten-U?bergebrauchs-Kopfschmerzen oder chronischer Migra?ne mit oder ohne Medikamenten-Übergebrauch leiden. Die Behandlung dauert in der Regel etwa drei Wochen. Die Zusammenstellung des Behandlungsprogrammes wird standardisiert begonnen und bei Bedarf und medizinischer Notwendigkeit individualisiert angepasst. Bei Medikamenten-Übergebrauchs-Kopfschmerzen findet der Entzug von den Schmerzmedikamenten in der Regel zuerst stationa?r in einem Akutspital statt. Nach fünf Tagen treten die Patienten/innen dann nach Bad Zurzach in das ZKP über für die eigentliche kopfschmerzspezialisierte Rehabilitation unter der Leitung von PD Dr. med. A. Gantenbein, Chefarzt Neurologie, RehaClinic Bad Zurzach. 

Musik-Imagination im Rahmen des ZKP

Musik-Imagination hat mittlerweile einen festen Platz im Zurzacher Kopfweh-Programm (ZKP) und wird seit bald drei Jahren angeboten. Das Angebot findet zwei Mal wöchentlich in einem halboffenen Setting statt und ist ressourcenorientiert. Da die Gruppenzusammensetzung wechselnd ist, bleibt der äussere Rahmen gleich.

Nach einer Ankommens-und Befindlichkeitsrunde findet eine kurze Körperwahrnehmung zur inneren Sammlung und Hinführung zur Musik statt. Ein kleiner Imaginationsimpuls dient als Einstieg in die Musik-Imagination. Im Anschluss verhilft das Malen eines Bildes dazu, das Erlebte zu festigen, bevor über das Erleben gesprochen wird. Das Teilen der gemeinsamen Erfahrung steht im Vordergrund, nicht die Gruppendynamik. Menschen, die Schmerzen haben, fühlen sich oft allein mit ihrem Leiden. Die Wahrnehmung ist manchmal eingeengt und das Selbstvertrauen geschwächt. Musikimagination führt nicht selten zu inneren Ressourcen, weckt positive Erinnerungen sowie innere Bilder und vermag, emotional zu bewegen.

Die Teilnehmenden erfahren im zweiten Teil des Referates selber, wie eine Musik-Imagination wirkt. Als Einstieg sind sie zuerst aufgefordert, zu fünf Musikstücken – sämtlich Kompositionen zu Tieren – Assoziationen aufzuschreiben und später aus diesen Assoziationen ein kleines Gedicht aus elf Wörtern – ein sogenanntes „Elfchen“ – zu bilden. In einem weiteren Schritt wählt jeder TN aus einer Vielzahl von Tierbildern ein Bild aus. Nach einer kurzen Körperwahrnehmung zur inneren Sammlung lassen die Teilnehmenden – ausgehend vom gewählten Tierfoto und geführt von einem kleinen Musik-Programm – der eigenen Fantasie freien Lauf und achten dabei auf ihre Wahrnehmungen. Ein kurzer Austausch über das eigene Erleben beendet schliesslich die Erfahrung und leitet zum Mittagessen über.

Blumenzauber – Blumenbilder als Türöffner in die Maltherapie

Am Nachmittag erläutert die Maltherapeutin Eliza Winter sehr anschaulich und lebendig ihre Arbeit mit Blumenbildern. Sie hat eine eigene Methode entwickelt, wie Blumenbilder zu „Türöffnern“ in die Maltherapie werden können. Eine Sammlung aus 25 Postkarten, auf denen sehr verschiedenartige Blumensträusse zu sehen sind – von edlen Rosen, über fast schon duftenden Flieder bis hin zu zarten Wiesenblumen – bilden die Grundlage ihrer Arbeit. „In dieser vielfältigen Auswahl findet fast Jede und Jeder einen Favoriten als Inspirationsquelle“. Eliza Winter erzählt eindrücklich, humorvoll und sehr lebendig, wie sie mit den Patienten arbeitet. Anhand einer Schritt-für-Schritt-Bild-Abfolge zeigt sie auf, wie sie Patientinnen und Patienten für einen Malversuch gewinnen kann, indem sie ihnen aufzeigt, wie viele verschiedene Maltechniken und Malmittel in diesem einen Bild kennen gelernt und ausprobiert werden können. Weitere motivierende Punkte seien auch das Aufzeigen von mitbeteiligten feinmotorischen – und kognitiven Übungen (Konzentration, Raumwahrnehmung, Erfassung von Form- und Grössenverhältnissen). Auch die Kommunikation werde sehr gefördert, da das entstehende Bild von Anfang bis hin zu seiner Vollendung laufend Entscheide erfordere, die es dadurch ja eben auch so persönlich präge.

Im Zusammenhang von acht Patientenbeispielen zeigt Eliza Winter Bouquets, in denen kognitive Defizite sichtbar werden, die aber trotzdem oder gerade deswegen sehr speziell und einzigartig wirken.

Zum Schluss geniessen wir ein Blumenbouquet-Feuerwerk, bestehend aus 70 Bildern, unter dem stimmigen Titel „Die Schönheit in ihrer ganzen Vielfalt (…)“

Gartentherapie

Die Einrichtung RehaClinic hat in der Gartentherapie eine Pionierrolle inne. 4500 Quadratmeter umfasst der Therapie- und Erlebnisgarten. „Wir betreuen Gruppen mit Schmerz- und Schlaganfallpatienten“, sagt Petra Gysel. Die Gartenbauingenieurin ist fu?r die Anlage verantwortlich. „Je nachdem, was eine Gruppe bewa?ltigen kann, pflegen und bepflanzen wir Bodenbeete oder arbeiten am Hochbeet. Die anstehenden Gartenarbeiten, die nicht in der Gruppenarbeit bewältigt werden ko?nnen, werden vom Team erledigt“.180 Stellenprozente würden dafu?r zur Verfu?gung stehen.

Das Therapieprogramm wurde von der Zu?rcher Hochschule fu?r Angewandte Wissenschaften (ZHAW) erarbeitet. Es gibt vor, welche ‚Lektionen‘ anstehen, welche Pflanzen wann zum Einsatz kommen und welche Ziele damit erreicht werden sollen. „Wir adaptieren das Programm laufend aufgrund unserer Erfahrungen in der Praxis. Vieles hat aber seit Beginn gut funktioniert“, lobt Petra Gysel die theoretischen Vorarbeiten. „Die Pflanzen wachsen mit Sonne und Wa?rme“, sagt Petra Gysel. Dabei lasse sich nicht auf den Tag genau vorausplanen, wie zum Beispiel während des gesamten Jahres das Bereitstellen der jeweils richtigen Pflanzen.

Schlussrunde

Kurzes Feedback und Rückblick auf die Reha-Krea-Tagung: Es war ein Tag mit vielfältigen Eindrücken; die Referate waren spannend und lieferten viele neue Inputs und Ideen.

Barbara Klopfenstein und Elisabeth Ottenburg werden das Treffen des Arbeitskreises „Kreative Therapien in der Neurorehabilitation“ 2017 in der Rehaklinik Zihlschlacht organisieren; Details folgen.

Wir – Doris, Eliza, Monika und Monic – bedanken uns herzlich bei allen Teilnehmenden für das grosse Interesse und für den lebendigen, humorvollen Austausch.

 

Monic Mathys (Organisation, Moderation und Zusammenstellung der Berichte)

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