Das Berufsbild gibt Auskunft über die Berufsbezeichnung, das Berufsprofil inklusive Aufgaben und Ziele, erklärt den musiktherapeutischen Musikbegriff, nennt Methoden und Interventionsmöglichkeiten und nimmt Stellung zur Qualitätssicherung.

Zum im schweizerischen Bildungssystem auf Hochschulebene reglementierten Abschluss Klinischer Musiktherapeut MAS ZFH/Klinische Musiktherapeutin MAS ZFH der Zürcher Fachhochschule (ZFH) existiert ein eigenes Berufsbild mit Funktionsbeschrieb.

Berufsbezeichnung

Ordentliche Mitglieder des SFMT sind berechtigt, die Bezeichnung „SFMT“ hinter ihrem Titel zu tragen. Sie verpflichten sich damit zu regelmässiger fachspezifischer Weiterbildung und Supervision.

Die Ausübung von Musiktherapie bedingt eine abgeschlossene Musiktherapieausbildung. Im schweizerischen Bildungssystem reglementiert sind der Hochschulstudienabschluss in klinischer Musiktherapie MAS ZFH, sowie Kunsttherapeut, Fachrichtung Musiktherapie HFP ED. Daneben werden vom Schweizerischen Fachverband für Musiktherapie (SFMT/ASMT) Abschlüsse von privatrechtlichen Ausbildungen anerkannt, welche fachlich und inhaltlich die Richtlinien erfüllen. Privatrechtliche Ausbildungen schliessen mit einem Musiktherapie Diplom ab.

In europäischen Nachbarländern ist der akademische Bildungsweg für MusiktherapeutInnen die Regel. Äquivalente ausländische Ausbildungen können vom Schweizerischen Fachverband für Musiktherapie (SFMT) anerkannt werden.

Beitrag zur Gesundheitsversorgung

Musiktherapie wird im Schweizerischen Gesundheitswesen präventiv, kurativ, rehabilitativ oder palliativ zur Behandlung von akuten und chronischen Erkrankungen und Beeinträchtigungen auf somatischer, emotionaler und sozialer Ebene eingesetzt.

Die musiktherapeutische Anamnese/Befunderhebung, die Festsetzung spezifischer Ziele, die Behandlungsplanung und die Dokumentation sowie die interdisziplinäre Zusammenarbeit sind integrativer Bestandteil der Behandlung.

Informationen zu Arbeitsfeldern.

Aufgaben und Ziele

Übergeordnetes Ziel musiktherapeutischer Behandlung ist es, die Verbesserung, Wiederherstellung und/oder Erhaltung der Gesundheit respektive der Lebensqualität des Menschen zu unterstützen. 

Jede musiktherapeutische Behandlung beinhaltet eine prozessuale Diagnostik, das Entwickeln und Adaptieren von Therapiezielen, sowie ein sich daraus ableitendes differenziertes Behandlungskonzept. Letzteres fokussiert neben dem Behandlungsauftrag, Defiziten, Problemen und Störungen auch ganz bewusst auf Kompetenzen.

Als kreativ-gestalterische Therapieform zielt Musiktherapie auf die Ressourcenaktivierung, Autonomieentwicklung und Förderung der Selbstregulation des Menschen ab. In der Kombination von verbalen und nonverbalen Ausdrucks- und Kommunikationsmöglichkeiten wirkt sie auf kognitiver, emotionaler, physischer, sozialer und spiritueller Ebene als Stimulus. Musiktherapie sensibilisiert und fördert die Wahrnehmung, Regulation und lösungsorientierte Integration innerer und äusserer Zustände und Prozesse sowie die Selbstwirksamkeit und Eigenverantwortung. Ein wichtiges Therapieziel ist ferner der Transfer der im Rahmen der Therapie gemachten Erfahrungen in das Alltagsleben. Hierfür wird nach Möglichkeit das Reflexionsgespräch genutzt.

Aufgaben und Ziele der Behandlung sind immer auf Patienten/Klienten abgestimmt und können sein:

  • Förderung von Wahrnehmung, Ausdruck und Regulation von Emotionen
  • Aufbau und Differenzierung von Kontakt- und Beziehungsfähigkeit
  • Entspannungsförderung und Schmerzlinderung
  • Aktivierung in den Bereichen Vitalität, Affektivität, Emotionalität
  • Förderung von Selbstwirksamkeit und Eigenverantwortung
  • Förderung von verbessertem Problemlöseverhalten über Erleben von Kreativität und Phantasie
  • Entwicklung von neuen Ausdrucksmöglichkeiten für Gefühle, Bedürfnisse und psychische Konflikte als Alternative zu krankmachenden Reaktionsmustern
  • Förderung von Selbst- und Fremdwahrnehmung
  • Stärkung von Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein
  • Stärkung der Ich-Funktionen (z.B. Bewusstheit der eigenen Identität, Unterscheidung von Phantasie und Wirklichkeit, Abgrenzungsfähigkeit)
  • Hilfestellung bei der Persönlichkeitsentwicklung und Identitätsfindung
  • Förderung und Unterstützung gesunder Entwicklungsprozesse
  • Begleitung und Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung

Musik als therapeutisches Medium

"Musik drückt aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist." (Victor Hugo)

Musik wird in der Musiktherapie zusätzlich zur Sprache eingesetzt, um diese zu ergänzen, zu erweitern oder bei Bedarf auch ganz zu ersetzen. Jenseits herkömmlicher Musikästhetik umfasst «Musik» in der Musiktherapie alles, was hörend wahrgenommen wird – auch Geräusche und Stille. Musik bewegt und beeinflusst den Menschen auf unmittelbare und umfassende Art. Sie berührt ihn auf emotionaler, physischer, kognitiver, sozialer, manchmal spiritueller Ebene. In der Musiktherapie wirkt die Musik dabei nicht allein, sondern immer im Rahmen der therapeutischen Beziehung. 

Das Medium Musik ermöglicht, das Unfassbare zu erfahren, das Unerhörte hörbar zu machen und das Unsagbare auszudrücken. Durch ihre musikalische Darstellung nehmen seelische Prozesse Gestalt an, werden fassbar und können im sicheren Rahmen der Therapie probehandelnd modifiziert und umgestaltet werden. Das in der Therapie Erprobte und neu Gestaltete kann anschliessend für das Leben ausserhalb der Therapie adaptiert werden. 

Musik verfügt über ein unmittelbares kommunikatives Potential. Dadurch können über musiktherapeutische Interaktionen verschiedene Beziehungsebenen bewusst wahrgenommen und bearbeitet werden: Jene der Patientin zu sich selbst, jene zwischen Patientin und Therapeutin sowie jene des Patienten zu Mitpatienten (Gruppenmusiktherapie). 

Dank ihrer unmittelbaren Wirkung auf den Menschen verfügt Musik zudem über ein Potential, welches gezielt zur Aktivierung und Förderung sensorischer, motorischer, kognitiver, emotionaler und sozialer Prozesse eingesetzt werden kann. 

Methoden und Interventionsmöglichkeiten

Musiktherapeutische Methoden und Interventionsmöglichkeiten werden in Zusammenarbeit mit der Patientin entsprechend der Indikation bzw. ihrer Bedürfnisse und Schwierigkeiten ausgewählt. Es wird zwischen aktiver und rezeptiver Musiktherapie unterschieden.

Aktive Musiktherapie

Ein vielseitiges, auf verschiedene Bedürfnisse und Möglichkeiten abgestimmtes Instrumentarium erlaubt ein aktives Musizieren ohne musikalische Vorkenntnisse und ohne Leistungsdruck. Improvisieren oder Singen von Liedern in unterschiedlichen Konstellationen bietet vielfältige Erfahrungs- und Erkenntnismöglichkeiten. TherapeutIn und PatientIn spielen in der Regel gemeinsam, manchmal auch einzeln auf Instrumenten und/oder drücken sich mit der Stimme aus. Das aktive Spiel dient zum einen diagnostischen Zwecken, zum anderen ist es ein wichtiger Teil des therapeutischen Prozesses. Je nach Klientel und Situation werden die Erlebnisse aus dem Musikteil verbal aufgearbeitet und reflektiert, um das Erlebte bewusst zu machen und zu integrieren.

Rezeptive Musiktherapie

Unter rezeptiver Musiktherapie wird das Anhören eines Musikstückes ab Tonträger bzw. einer von der Therapeutin live gespielten Musik verstanden.

Bei beiden Vorgehensweisen geht es darum, über Spiel- und Hörerfahrungen innere Prozesse in Gang zu bringen bzw. diese in Entwicklung zu bringen und neue Erfahrungen und Erkenntnisse zu ermöglichen. Je nach Klientel und Situation ist auch hier eine verbale Aufarbeitung und Reflexion des musikalischen Geschehens sowie der dadurch ausgelösten seelischen Prozesse sinnvoll oder notwendig.

Klinische Aufgaben

Basierend auf medizinischen Diagnosen sowie eigenen Beobachtungen und Befunden erstellen Musiktherapeutinnen SFMT auf ihre Patienten abgestimmte Therapiekonzepte. Sie dokumentieren den therapeutischen Prozess systematisch, werten diesen aus und entwickeln das Therapiekonzept situationsgerecht weiter. Wenn nötig kommunizieren sie ihre Beobachtungen und Ergebnisse unter Berücksichtigung des Persönlichkeitsschutzes innerhalb des interdisziplinären Behandlungsnetzwerks. 

Musiktherapeutinnen SFMT führen Therapien mit Einzelpersonen und/oder Gruppen durch. Sie betrachten und verstehen den Patienten im Kontext seines familiären, gesellschaftlichen, kulturellen und spirituell-religiösen Umfeldes. Sie sorgen für einen sicheren therapeutischen Rahmen und übernehmen Verantwortung in der therapeutischen Beziehung. Sie sehen sich selbst als Teil des therapeutischen Geschehens und reflektieren es. Sie treffen transparente Vereinbarungen über die therapeutischen Ziele sowie den zeitlichen und finanziellen Rahmen. Sie setzen musiktherapeutische Methoden und Mittel fachkompetent ein, dokumentieren das Therapiegeschehen und werten es aus.

Arbeitsqualität

MusiktherapeutInnen SFMT stellen die Patientin und deren Bedürfnisse in den Mittelpunkt der therapeutischen Arbeit. Sie überprüfen und optimieren Arbeitsprozesse, -strukturen und -ergebnisse regelmässig und sorgen für eine hohe Arbeitsqualität. Sie entwickeln und gestalten adäquate Konzepte für ihre eigene Arbeit, beachten Wirtschaftlichkeit und Wirksamkeit ihrer Methoden, verpflichten sich zu kontinuierlicher fachspezifischer Supervision und/oder Intervision und sind verantwortlich für ihre persönliche musikalische Weiterentwicklung. Sie sorgen für kontinuierliche fachliche Fort- und/oder Weiterbildung, verfolgen die Entwicklungen musiktherapierelevanter Forschung und handeln nach den ethischen Richtlinien für die Ausübung von Musik- und Psychotherapie.