Die Baschet-Instrumente: Bunt – ausdrucksstark – therapeutisch wirksam

Auch dieses Jahr fand die Fortbildung des SFMT am Nachmittag nach der Generalversammlung des SFMT statt. 24 interessierte Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten nahmen sich Zeit, die therapeutisch interessanten Baschet-Instrumente kennen zu lernen.

Martine Pernoud, die Referentin, ist diplomierte Musiktherapeutin (Universität Montpellier, 1992), Musikerin (Blockflöte, 1987) und klinische Psychologin (Universität Genf, 1987), zudem assoziiertes Mitglied unseres Fachverbandes. 1992 gründete sie die ‘Bulle d’Air’, eine zweifach preisgekrönte Musikschule der besonderen Art und ein Raum, um Musik experimentell zu erforschen. (www.labulledair.ch)

Frau Pernouds Interesse gilt seit 2006 der Praxis und Erforschung der Baschet-Instrumente in der Arbeit mit Kindern und Erwachsenen mit Behinderungen, im Besonderen bei Autismusspektrum-Störungen. Sogar bei Menschen mit einer psychotischen Erkrankung können die Baschet-Instrumente eingesetzt werden, führte die Referentin aus, wobei es hier zu beachten gelte, dass die Form klar gewahrt bleibt. Selber als Therapeutin aktiv, instruiert Frau Pernoud im Kanton Genf auch TherapeutInnen in verschiedenen Institutionen im Umgang mit diesen hoch wirksamen Instrumenten.

Frau Pernoud brachte uns rund ein Dutzend ihrer Baschet-Instrumente mit und platzierte sie vor uns im Kreis. Mit Begeisterung stellte sie uns diese leicht spielbaren und klangvollen Instrumente vor. Lebhaft und anschaulich erläuterte sie uns bei jedem einzelnen Instrument dessen Klang und Wirkungsspektrum.

Die Baschet-Instrumente gehen zurück auf die Idee zweier französischer Brüder, die in den 1920-er Jahren Kunstwerke zum Anfassen und Experimentieren schaffen wollten, und dies jenseits etablierter künstlerischer Kriterien. Die Kunstwerke sollten einladen, sie zu berühren und/oder zum Klingen zu bringen. Auch Interaktionen zwischen und mit den Zuhörenden sollten gefördert werden. Es brauchte allerdings noch Jahrzehnte intensiver Forschung und Entwicklung bis zum Stand der heutigen vierzehn Klangstrukturen.

Die vierzehn Baschet-Instrumente beeindrucken durch ihren obertonreichen, vollen Klang, ihre Farbigkeit und Einfachheit. Sie laden ein, sofort damit zu spielen. Der Klang wirkt manchmal „unerwartet“, berührt unmittelbar und regt zum Lauschen und Experimentieren an. Es ist möglich, sowohl zart und leise darauf zu spielen als auch mit vollem Krafteinsatz. Die starken Vibrationen ermöglichen Resonanz und fördern die emotionale Autoregulation. Als Kontakt- und Kommunikationsmittel eingesetzt, eröffnen die Instrumente einen angstfreien „Verbindungraum“ jenseits der Sprache und laden im Besonderen ein, die Stimme zu erkunden. Frau Pernoud erzählte von erstaunlichen Erlebnissen mit Kindern, die an einer Autismusspektrum-Störung leiden und plötzlich begannen, ihre Stimme einzusetzen. Die Instrumente schaffen durch ihre klare Form sowohl Nähe als auch nötige Distanz. Sie können in den Arm genommen, mit dem ganzen Körper umfangen oder auf den Tisch oder Boden gestellt werden. Man kann zum Teil sogar hineinkriechen oder sich daraufsetzen. Sie sind stabil, transportabel und können auseinandergenommen werden. Die Stimmung der Klangstrukturen entspricht nicht den üblichen Harmonien. Die Instrumente können individuell gestimmt werden, um auch neue Klang-Kombinationen zu kreieren.

In der Pause erhielten die Zuhörenden die Möglichkeit, die Instrumente selber auszuprobieren und Fragen zu stellen.

Im zweiten Teil zeigte uns Martine Pernoud eine grosse Zahl von eindrücklichen Video-Beispielen aus der Praxis. Die Zeit verging im Flug. Leider blieb keine Zeit mehr, auf den Instrumenten gemeinsam zu improvisieren. So bleiben die ausdrucksstarken Instrumente als bunte, interessante, einfache, klangvolle und therapeutisch mannigfach einsetzbare Instrumente in Erinnerung, die in Musiktherapiekreisen noch zu wenig bekannt sind.

Die Instrumente werden von einem Instrumentenbauer in den Cevennen hergestellt und können via Frau Pernoud bestellt werden. Die einzelnen Klangstrukturen kosten zwischen 800 und 2000 Euro.

Martine Pernoud hat über ihre Arbeit mit den Baschet-Instrumenten ein kleines Büchlein zum Selbstkostenpreis von CHF 10.- herausgegeben: „La Pratique de structures sonores Baschet.“ (Edition Fondation Ensemble) Es kann bei ihr bezogen werden. (labulle(at)labulledair.ch)

Doris Mäder-Güntner

 

zurück